Für meine Fine – eine sehr geduldige Reisebegleiterin. For my daughter Fine – a very patient travel companion. So schnell verging wieder die Zeit. Wir sind schon wieder zurück von unserem verlängerten Wochenendtrip nach Krakau, der sehr beeindruckend, überwältigend, auch skurril war, uns vor allem nachdenklich gestimmt hat. Time went by so quickly again. We…

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Ein letzter Tag in Krakau – skurril und beeindruckend zugleich / A last day in Krakow – bizarre and impressive at the same timeA last day in Krakow – bizarre and impressive at the same time

Für meine Fine – eine sehr geduldige Reisebegleiterin.

For my daughter Fine – a very patient travel companion.

So schnell verging wieder die Zeit. Wir sind schon wieder zurück von unserem verlängerten Wochenendtrip nach Krakau, der sehr beeindruckend, überwältigend, auch skurril war, uns vor allem nachdenklich gestimmt hat.

Time went by so quickly again. We are already back from our extended weekend trip to Krakow, which was very impressive, overwhelming, also bizarre, and above all made us think.

Nach unserer Tagesfahrt nach Auschwitz hatten wir noch einen Tag, den wir bei wunderschönem Sonnenschein, aber sehr kaltem Wind in Krakau verbrachten. Nach dem verregneten Sonntag gab es noch so einiges, was uns in dieser Stadt fehlte und letztlich auch wichtig für den positiven Gesamteindruck war, auch wenn vieles an die dunkle Geschichte erinnerte.

After our day trip to Auschwitz, we had one more day, which we spent in beautiful sunshine but very cold wind in Krakow. After the rainy Sunday, there was still so much that we missed in this city and was ultimately also important for the positive overall impression, even though much reminded us of the dark history.

Unser erster Stopp am letzten Tag war der Kosciuszko Hügel außerhalb der Stadt, von dem man einen großartigen Blick auf die Stadt haben soll. Der Sonnenschein-Moment wurde ausgenutzt und ich entschied, den Hügel hinaufzulaufen. Besser gesagt, Fine führte mich hinauf, denn meine Navigationsfähigkeiten mit Google sind sehr begrenzt. Wie gut, eine ‚digitally native‘ Tochter zu haben.

Our first stop on the last day was Kosciuszko Hill outside the city, which is supposed to have a great view of the city. Taking advantage of the sunshine moment, I decided to walk up the hill. Better said, Fine led me up it, as my navigation skills with Google are very limited. How lucky to have a ‚digitally native‘ daughter.

Der Hügel ist mehr oder weniger künstlich angelegt zu Ehren von Tadeusz Kosciuszkos, General der polnischen und amerikanischen Armeen, Teilnehmer am amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und Ehrenbürger der französischen Republik. Er war auch in Russland, eigentlich überall. Kurz: ein Held. Im zu Ehren schütteten die Polen und Polinnen den Hügel in den Jahren 1820-1823 auf und ringsherum wurde eine Art Fort gebaut. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Fort stark beschädigt und zum Teil abgetragen. Heute gräbt man wieder aus und restaurierte schon einen großen Teil der Anlage. Im Fort befindet sich eine Art interaktives Museum, in dem man über den Helden mehr erfährt. Aber oh Schreck, es war so dunkel und leider nur in Polnisch. Wir verstanden nichts. Wir kamen uns eher vor wie im Gruselfilm. Aber um auf den Hügel zu kommen, mussten wir da durch.

The hill is more or less artificial in honour of Tadeusz Kosciuszkos, general of the Polish and American armies, participant in the American War of Independence and honorary citizen of the French Republic. He was also in Russia, in fact everywhere. In short: a hero. In his honour, the Poles raised the hill in 1820-1823 and a kind of fort was built around it. After the Second World War, the fort was badly damaged and partly demolished. Today, the site is being excavated again and a large part of it has already been restored. In the fort there is a kind of interactive museum where you can learn more about the hero. But oh my, it was so dark and unfortunately only in Polish. We understood nothing. We felt more like we were in a scary film. But to get to the top of the hill, we had to go through.

Zwei spiralförmig angelegte Wege führen hinauf. Von der Plattform (330 m) hat man tatsächlich einen weiten Blick auf die Stadt und bei gutem Wetter kann man sogar das Tatra-Gebirge sehen.

Two spiral paths lead up to it. From the platform (330 m) you actually have a wide view of the city and in good weather you can even see the Tatra Mountains.

Zweite Station: jüdisches Viertel Kazimierz. Fine führt uns mit Bus und Tram hinein in das wieder auflebende Viertel, in dem vor dem Krieg 40.000 Juden lebten. Und nach und nach kommen sie wieder zurück. Restaurants, Cafés, hübsche Häuser, Synagogen, ein ganz alter Markt mit einer klitzekleinen Markthalle, auf dem so allerlei Krimskrams angeboten wird. Wir spazierten und froren uns die Nase rot. Angeblich hat Spielberg hier die Ghettoszenen aus Schindlers Liste gedreht. Ein Moment, der einem erneut das Herz schwer macht, aber trotzdem wichtig ist, um sich an die schreckliche Vergangenheit zu erinnern.

Second stop: the Jewish quarter of Kazimierz. Fine takes us by bus and tram into the reviving quarter where 40,000 Jews lived before the war. And little by little they are coming back. Restaurants, cafés, pretty houses, synagogues, a very old market with a tiny market hall selling all kinds of odds and ends. We walked and froze our noses red. Supposedly Spielberg shot the ghetto scenes from Schindler’s List here. A moment that once again makes your heart heavy, but is nevertheless important to remember the terrible past.

Uns fehlte nur noch ein Teil des ehemaligen Ghettos und Reste der Ghettomauer, die an die jüdischen Grabmale angelehnt wurde. Wir taten uns etwas schwer, fanden sie nach dreimal Hinschauen. Es ist nur noch ganz wenig übrig und ziemlich unscheinbar an einer stark befahrenen Straße. Jemand hat kleine bunte Steinchen am Fuße der Mauer abgelegt. Ein paar Meter weiter befindet sich der Platz Zgody, heute Platz der Helden des Ghettos. Ganz kurz war ich hier am ersten Tag, aber wegen des Regens habe ich mir nicht alles ansehen können. Hier sollte man schon etwas länger verweilen und die Geschichte auf sich wirken lassen, denn hier spielten sich ganz grausame Szenen ab, als das Ghetto 1943 liquidiert wurde. An der Ecke des Platzes ist die Apotheke Pod Orlem, die von einem Nicht Juden geführt wurde und von dort wurde der Untergrund organisiert. Leider war Ruhetag. Wieder eine kleine Enttäuschung. Doch wir haben in den drei Tagen sehr viel Geschichte erleben dürfen und das muss man erstmal sacken lassen.

All we were missing was a part of the former ghetto and remains of the ghetto wall, which was built against the Jewish gravestones. We struggled a bit, but found it after looking three times. There is very little left and it is quite inconspicuous on a busy road. Someone has placed small colourful stones at the foot of the wall. A few metres further on is Zgody Square, now Heroes of the Ghetto Square. I was here very briefly on the first day, but because of the rain I couldn’t see everything. You should stay here a little longer and let the history sink in, because this is where some very gruesome scenes took place when the ghetto was liquidated in 1943. On the corner of the square is the Pod Orlem pharmacy, which was run by a non-Jew and from where the underground was organised. Unfortunately it was a day of rest. Another small disappointment. But we were able to experience a lot of history in the three days and you have to let it sink in.

Am Ende des Tages erlebten wir ein kleines Abenteuer ganz anderer Art und wir fühlten uns in eine ganz andere Zeit versetzt. Wir vermieden große Shoppingtouren. Stattdessen landeten wir in kleinen Krämerläden, wie einem Papier- und Bastelladen, in dem es gefühlt alles gab. Josefine war anfangs skeptisch, doch dann kam sie nicht wieder raus. Verwinkelt und ziemlich enge Reihen mit Regalen gefüllt mit diversen Bastelsachen, Papierwaren, Stiften, Spielsachen. Es fehlte nur Wolle oder Stoffe. Aber das gibt es bestimmt auch. Lass uns mal googlen. Und tatsächlich gleich neben der Papiernisza ein Wollgeschäft im Hinterhof. Auch verwinkelt, mit einer uralten Glastür, Wolle bis zur Decke. Das Paradies! Gekauft habe ich nichts, denn es war Wolle aus Deutschland. Das ist dann nun wirklich nicht authentisch.

At the end of the day, we had a little adventure of a different kind and we felt transported to a completely different time. We avoided big shopping trips. Instead, we ended up in small hawker’s shops, like a paper and handicraft shop, where there was seemingly everything. Josefine was sceptical at first, but then she couldn’t get out. Twisting and narrow rows of shelves filled with various handicrafts, stationery, pencils, toys. The only thing missing was wool or fabric. But I’m sure there are. Let’s do some googling. And indeed, right next to the Papiernisza, a wool shop in the backyard. Also winding, with an ancient glass door, wool up to the ceiling. Paradise! I didn’t buy anything, because it was wool from Germany. That is really not authentic.

Unser Reise zurück nach Berlin war schon fast langweilig. Auffällig viele Ukrainerinnen, junge wie alte mit kleinen Kindern waren im Zug. Ich lauschte ein bisschen zwei Frauen, die sich unterhielten. Die eine war eine Polin, die Russisch sprach, die andere eine Ukrainerin, die aus Kiew war. Sie war auf der Flucht, hatte genug von Drohnen, Raketen, ständigem Alarm. Soviel konnte ich noch verstehen. Der Zug war pünktlich und von Frankfurt Oder kamen wir ohne Umsteigen mit einem Reisebus bis zum Hauptbahnhof.

Our journey back to Berlin was almost boring. There were conspicuously many Ukrainian women on the train, young and old with small children. I listened a bit to two women talking. One was a Polish woman who spoke Russian, the other a Ukrainian woman from Kiev. She was on the run, fed up with drones, missiles, constant alarms. I could still understand that much. The train was on time and from Frankfurt Oder we got to the main station by coach without changing trains.

Mal sehen, was Ostern an Erlebnissen und Abenteuern bringt. Ich bin noch nicht so schlüssig, wohin es in der nächsten Woche gehen soll. Hat jemand eine Idee?

Let’s see what Easter brings in terms of experiences and adventures. I’m still not sure where to go next week. Does anyone have any ideas?

Eine Antwort zu „Ein letzter Tag in Krakau – skurril und beeindruckend zugleich / A last day in Krakow – bizarre and impressive at the same timeA last day in Krakow – bizarre and impressive at the same time“

  1. Avatar von Marion Rosenow

    hallo Sylke, es gibt jetzt eine Nachtzugverbindung nach Stockholm. Wäre das was?
    Liebe Grüße von Marion aus der Praxis

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