Liebe Trauergemeinde, wir nehmen heute Abschied von einem stillen Helden des Alltags. Er stand nie im Rampenlicht, doch ohne ihn wäre so manches Arbeitsblatt nie in die Welt gekommen. Er war geduldig – meistens. Er war zuverlässig – meistens. Und er war laut – immer. Er hat Tinte vergossen, Papier verschlungen und Nerven geraubt, aber…

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Grabrede für einen treuen Drucker

Liebe Trauergemeinde,

wir nehmen heute Abschied von einem stillen Helden des Alltags.

Er stand nie im Rampenlicht, doch ohne ihn wäre so manches Arbeitsblatt nie in die Welt gekommen.

Er war geduldig – meistens.

Er war zuverlässig – meistens.

Und er war laut – immer.

Er hat Tinte vergossen, Papier verschlungen und Nerven geraubt, aber auch Karrieren ermöglicht, Staatsexamensarbeiten vervielfältigt und Lehrerleben gerettet.

Möge er im ewigen Recyclinghimmel finden, was er hier oft vermisste:

einen vollen Papierschacht, nie verstopfte Düsen und stets frische Patronen.

Ruhe in Frieden, kleiner Freund – und druck uns von dort oben einen Regenbogen.

Trauerfeier im Tintenwald

Nach langer, langer Zeit muss ich mich von meinem Drucker verabschieden. Er gehörte einfach dazu – fast wie ein Haustier. Über 20 Jahre lang leistete er mir und dem Rest der Familie treue Dienste.

Doch ich habe ihn wohl am meisten zum Glühen gebracht. Wie viele Arbeitsblätter, Klassenarbeiten, Klausuren, Briefe – offizielle wie persönliche – und Bewerbungsschreiben hat er ausgespuckt? Meine Staatsexamensarbeit gleich in fünffacher Ausfertigung. Manchmal sogar ganze Klassensätze an Arbeitsblättern, weil der Kopierer in der Schule streikte oder mal wieder kein Papier nachgelegt war. Immer half er mir aus der Patsche.

Natürlich hatte er auch seine Macken. Drucker haben ja bekanntlich ein Eigenleben. Meistens streikte er zu Beginn eines neuen Schuljahres. Oder damals, als ich mein Arbeitszimmer einrichtete und ihm den Platz unter dem Schreibtisch zuteilte. Nö!!! Er wollte etwas Besseres. Vorsichtig musste ich ihn dressieren und überzeugen.

Doch die Jahre hinterlassen auch bei einem Drucker ihre Spuren. Seit über einem Jahr fiel ständig eine Klappe ab. Und neulich war ich unvorsichtig: Ich legte Etikettenpapier falsch ein, verursachte einen Papierstau – das war sein Todesstoß. Selbst mein Bastler und Tüftler konnte ihn nicht mehr zurück ins Leben holen.

Und ja: Ein Lehrer ohne Drucker ist kein Lehrer. Das Schuljahr hat gerade erst begonnen …

Schweren Herzens brachte ich ihn zur BSR – Sperrmüllabgabe. Immerhin durfte er auf der Rückbank Platz nehmen, nicht im Kofferraum. Tschüss, mein Kleiner. Du warst immer für mich da – und für den Rest der Familie auch.

Ein neuer Gefährte steht nun unter dem Schreibtisch. Noch etwas störrisch. Ob er wohl genauso lange durchhält?

Eulogy for a Faithful Printer

Dear congregation,

today we say farewell to a quiet hero of everyday life.

He never stood in the spotlight, yet without him many a worksheet would never have seen the light of day.

He was patient – most of the time.

He was reliable – most of the time.

And he was loud – always.

He shed ink, devoured paper, and frayed our nerves, but he also enabled careers, multiplied state exam papers, and saved teachers’ lives.

May he find in the eternal recycling heaven what he so often missed here:

a full paper tray, never-clogged nozzles, and always fresh cartridges.

Rest in peace, little friend – and print us a rainbow from up above.

Mourning in the House of Kraus

After a very, very long time, I have to say goodbye to my printer. He was part of the family, almost like a pet. For over 20 years he faithfully served me and the rest of the household.

But I probably made him glow the most. How many worksheets, tests, exams, letters – both official and personal – and job applications did he spit out? My state exam thesis in five copies. Sometimes even entire class sets of worksheets, because the copier at school wasn’t working or no one had refilled the paper. He always saved me from trouble.

Of course, he had his quirks. Printers are known to have a life of their own. Most often he went on strike at the start of a school year. Or back when I set up my study and gave him the spot under the desk. Nope!!! He deserved a better place. I had to carefully train and persuade him.

But the years take their toll on a printer too. For over a year now, one flap kept falling off. And recently I was careless: I loaded label paper the wrong way, caused a paper jam – and that was the final blow. Even my fixer and tinkerer couldn’t bring him back.

And yes: a teacher without a printer is no teacher. The school year has just begun …

With a heavy heart, I took him to the bulky waste collection. At least he got to ride on the back seat, not in the trunk. Goodbye, my little one. You were always there for me – and for the rest of the family too.

A new companion now sits under the desk. Still a bit stubborn. Will he last as long?

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