Es ist wieder etwas still um den Blog geworden. Woran das wohl liegt? Keine Sorge. Alles ist gut. Es gibt genügend Arbeit, einige Projekte, die beendet werden wollen. In den Osterferien gab es in diesem Jahr keine phänomenalen Abenteuer. Nicht, dass ich reisemüde bin – es ergab sich einfach keine Begleitung, kein richtiges Ziel. So…

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Wenn Podcasts zum Lesen verführen

Es ist wieder etwas still um den Blog geworden. Woran das wohl liegt?

Keine Sorge. Alles ist gut. Es gibt genügend Arbeit, einige Projekte, die beendet werden wollen.

In den Osterferien gab es in diesem Jahr keine phänomenalen Abenteuer. Nicht, dass ich reisemüde bin – es ergab sich einfach keine Begleitung, kein richtiges Ziel. So verbrachte ich die meiste Zeit in Berlin und Bad Düben und erlaubte mir, Alex auf eine Dienstreise nach Mannheim zu begleiten. Nicht so spannend. Und mit irgendwelchen banalen Geschichten will ich meine Leser nicht langweilen.

Und jetzt, so mittendrin, möchte ich doch etwas loswerden.

Neben den zahlreichen Handarbeitsprojekten habe ich meine Leidenschaft für Bücher wiederentdeckt. Das ist und war kein Neujahrsvorsatz, mal wieder etwas mehr zu lesen. Vielmehr hat es damit zu tun, dass der Winter doch recht eisig war und ich nicht frühmorgens aufs Rad gestiegen bin, um den Weg bis zur Schule zu fahren, sondern stattdessen die öffentlichen Verkehrsmittel genommen habe. Immer ein Buch in der Tasche und völlig versunken in der Story – so sehr, dass ich manches Mal meine Haltestelle verpasst habe. Ist bestimmt schon einigen passiert.

Ein anderer Grund ist ein Podcast, den ich seit seiner Gründung im Sommer letzten Jahres regelmäßig höre. Jeden Sonntagabend, bei meiner Wellnessrunde im Badezimmer, lausche ich „Zwischen Kotti und Kapiteln“ – einem Literaturpodcast, in dem der Schauspieler Jannik Schümann und Kara Wolf entweder in einer Book-Club-Edition ein Buch besprechen oder einen Gast aus der Bücherbranche einladen und über dessen Job und Verbindung zur Literatur sprechen.

Ich liebe diesen Podcast – vor allem die Book-Club-Edition. Die Community wählt über Social Media aus drei Vorschlägen ein Buch aus, das bis zu einem bestimmten Termin gelesen wird, und man kann über die sozialen Medien mitdiskutieren. Eigentlich hasse ich Formate, in denen Bücher totgequatscht werden. Aber das passiert bei Jannik und Kara überhaupt nicht. Obwohl gespoilert wird, schaffen sie es, mich in diese Bücher mit hineinzuziehen. Die Kategorien „Anrufbeantworter“, „Charaktere, die wir daten würden“, Lieblingszitate und am Ende auch die Bewertung nach verschiedensten Kriterien lassen dieses Podcast-Format aus der Masse herausstechen und finden mit Sicherheit viel Beliebtheit, vor allem bei jüngerem Publikum.

Bisher habe ich gerade mal ein Buch vorher gelesen, aber fast alle Bücher, die sie bisher vorgestellt haben oder die von ihren Gästen als Lieblingsbücher erwähnt wurden, habe ich gekauft, gelesen – und es nicht bereut.

Aber was rede ich so lange drumherum? Letzte Woche ging die Book-Club-Edition von „Zwischen Kotti und Kapiteln“ live im Colosseum über die Bühne. Eingeladen war eine sehr junge Autorin (so alt wie meine Tochter): Eva Pramschüfer, die ihren Debütroman „Weißer Sommer“ vorstellte. Und ich war dabei. Habe ein Ticket ergattert und die Aufzeichnung dieses Podcasts in ihrem quasi Pop-up-Wohnzimmer auf der Bühne genossen. Alle Kategorien waren wieder dabei – bis auf den Anrufbeantworter. Es wurde nicht so viel gespoilert wie sonst, weil das Publikum das Buch in der kurzen Zeit noch gar nicht lesen konnte. Es war ja gerade erst erschienen und bereits auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Ich habe das Buch noch nicht gekauft. Auch wenn mich die Autorin sehr beeindruckt hat. Auch wenn ihr Schreibstil ein sehr frischer ist und ich das gerne lesen würde. Es liegt am Inhalt. Ich bin aus dem Alter heraus und kann mich zu wenig mit den Charakteren und deren Sorgen identifizieren.

Dennoch: Ich werde kommenden Sonntag diesem Podcast in der Badewanne folgen und mich an einen wunderbaren Abend im Colosseum erinnern. Vielleicht kaufe ich mir das Buch dann doch?

Für alle, die ich neugierig gemacht habe: „Zwischen Kotti und Kapiteln“ gibt es überall, wo es Podcasts gibt, und erscheint meist dienstags alle zwei Wochen.

Und vielleicht ist genau das das Schönste daran: Wenn Geschichten nicht mit der letzten Seite enden, sondern neue beginnen. Oder zumindest neue Leselisten.

Bücher, die mir im Kopf (und im Herzen) geblieben sind:

Manche Bücher liest man – und legt sie wieder weg.
Und manche bleiben. Genau die sind hier gelandet:

  • John Boyne: Als die Welt zerbrach (Folgeroman von Der Junge im gestreiften Pyjama)
    → herzzerreißend. Wirklich. Beide Bücher.
  • John Boyne: Das späte Geständnis des Tristan Sadler
    → noch herzzerreißender. Falls das überhaupt möglich ist.
  • Trevor Noah: Born a Crime
    → klug, ehrlich, stellenweise sehr witzig – und dann wieder gar nicht.
  • Ottessa Moshfegh: My Year of Rest and Relaxation
    → ein seltsames Buch. Aber genau richtig für den Sommer.
  • Saša Stanišić: Herkunft
    → und am Ende: Reim dir dein eigenes Ende zusammen.
  • Jessica Lind: Kleine Monster
    → und man fragt sich die ganze Zeit: Wer ist hier eigentlich das Monster…?
  • Anette Selg: Das Jahr, bevor ich verschwand
    → eines dieser Bücher, bei denen man denkt: Das hätte ich auch schreiben können.
  • Kaleb Erdmann: Die Ausweichschule
    → (Erfurt school shooting 2002)
    → hat mich als Lehrerin ziemlich getroffen. Ehrlich gesagt: Ich habe kurz darüber nachgedacht, alles hinzuschmeißen.
  • Coco Mellors: Blue Sisters
    → leise, intensiv – und irgendwie nachwirkend.

When Podcasts Make You Want to Read

It’s become a bit quiet around the blog again. I wonder why that is?

Don’t worry. Everything is fine. There’s plenty of work, a number of projects that want to be finished.

This year’s Easter holidays didn’t bring any phenomenal adventures. Not that I’m tired of traveling—it just didn’t work out: no company, no real destination. So I spent most of my time in Berlin and Bad Düben, and allowed myself to accompany Alex on a business trip to Mannheim. Not exactly thrilling. And I don’t want to bore my readers with any banal stories.

And now, right in the middle of it all, I do want to share something.

Alongside my many handicraft projects, I’ve rediscovered my love of books. This wasn’t a New Year’s resolution to read more again. Rather, it has to do with the fact that the winter was quite icy, and instead of getting on my bike early in the morning to ride to school, I took public transport. Always with a book in my bag, completely immersed in the story—so much so that I missed my stop more than once. I’m sure that’s happened to others, too.

Another reason is a podcast I’ve been listening to regularly since it started last summer. Every Sunday evening, during my little wellness routine in the bathroom, I listen to “Between Kotti and Chapters”—a literature podcast in which the actor Jannik Schümann and Kara Wolf either discuss a book in a book club edition or invite a guest from the publishing world to talk about their job and their connection to literature.

I love this podcast—especially the book club edition. The community votes on social media from three suggestions to choose a book, which is then read by a certain date, and everyone can join the discussion online. I actually hate formats where books are talked to death. But that never happens with Jannik and Kara. Even though there are spoilers, they manage to pull me right into these books. The segments “Answering Machine,” “Characters We’d Date,” favorite quotes, and finally the rating based on various criteria really make this podcast stand out from others and certainly make it popular, especially with a younger audience.

So far, I’ve only read one book in advance, but almost all the books they’ve discussed—or that their guests mentioned as favorites—I’ve bought, read, and never regretted.

But why am I beating around the bush? Last week, the book club edition of “Between Kotti and Chapters” went live on stage at the Colosseum. They invited a very young author (the same age as my daughter), Eva Pramschüfer, who presented her debut novel “White Summer.” And I was there. I managed to get a ticket and enjoyed the recording of the podcast in their quasi pop-up living room on stage. All the usual segments were there—except for the answering machine. There weren’t as many spoilers as usual, since the audience hadn’t had enough time to read the book yet. It had only just been released – and is already on the bestseller list of the Spiegel magazine.

I haven’t bought the book yet. Even though the author impressed me greatly. Even though her writing style is very fresh and I would enjoy reading it. It’s the content. I feel I’ve outgrown it and can’t quite relate to the characters and their concerns anymore.

Nevertheless: next Sunday, I’ll be following this podcast from my bathtub again and remembering a wonderful evening at the Colosseum. Maybe I’ll end up buying the book after all?

For anyone I’ve made curious: “Between Kotti and Chapters” is available wherever you get your podcasts and usually comes out every other Tuesday.

And maybe that’s the nicest part of it all: when stories don’t end with the last page, but spark new ones. Or at least new reading lists.

Books that stayed with me (in my head and in my heart):

Some books you read—and then put them aside.
And some stay. These are the ones that did:

  • John Boyne: All the Broken Places (sequel to The Boy in the Striped Pyjamas)
    → heartbreaking. Truly. Both books.
  • John Boyne: The Absolutist
    → even more heartbreaking. If that’s even possible.
  • Trevor Noah: Born a Crime
    → smart, honest, at times very funny—and then suddenly not at all.
  • Ottessa Moshfegh: My Year of Rest and Relaxation
    → a strange book. But just right for summer.
  • Saša Stanišić: Where You Come From
    → and in the end: make up your own ending.
  • Jessica Lind: Little Monsters
    → and all the way through you keep wondering: who actually is the monster here…?
  • Anette Selg: The Year Before I Disappeared
    → one of those books that makes you think: I could have written this.
  • Kaleb Erdmann: The Substitute School
    → (Erfurt school shooting 2002)
    → this one hit me hard as a teacher. Honestly, I briefly considered quitting my job.
  • Coco Mellors: Blue Sisters
    → quiet, intense—and somehow lingering.

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