Kaum in Kroatien angekommen, schon wieder unterwegs ins nächste Balkanland.
Doch wir mussten wegen der unerträglichen Hitze erst einmal einen Tag Pause einlegen. Man hielt es nur in gekühlten Räumen oder im Wasser aus.
Unsere geräumige Ferienwohnung Nr. 2 befindet sich in der Nähe der Cavtat-Bucht, etwa 15 km vor Dubrovnik. Wir haben wieder eine Terrasse mit Blick aufs Wasser. Und unsere Vermieterin Anuschka hat an alles gedacht. Der Kühlschrank war schon halb gefüllt mit Obst, Getränken … Wir hätten gar nicht einkaufen gehen müssen.


Kurz: Wir fühlen uns wieder richtig wohl. Mehr brauchen wir gar nicht.
Doch! In Urlaubswoche 2 soll weniger gefaulenzt werden. Ich mache einen Plan mit Blick auf den Wetterbericht. Am Montag – viel zu heiß. Aber am Dienstag soll es kleine Gewitter geben. Auch in Bosnien. Und am Donnerstag wird es „kalt“: unter 30 Grad. Stadtwetter! Da gibt es ja so einiges Sehenswertes.
Heute: Bosnien-Herzegowina. 6 Uhr aufstehen! Unerbittlich. Ich will zur Mittagszeit durch sein. Und wer weiß, wie lange der Grenzübertritt von der EU in ein Nicht-EU-Land dauert.
Die Grenze liegt gleich um die Ecke am Berg. Keine Schlange. Es geht zügig auf der kroatischen Seite, auf der bosnischen gibt es einen kleinen Verzug. Das Passlesegerät hat wohl keine Lust. Wir bekommen sogar einen Stempel in unseren Pass.
Es folgt eine Fahrt durchs Nirgendwo. Schmale, aber asphaltierte Straßen mitten durch grünen Wald und kurvenreich durch die Berge. Kein Mensch weit und breit. Wir scheinen hier die Einzigen zu sein. Mal ’ne Kuh am Straßenrand. Ich bin überrascht: So grün habe ich mir das gar nicht vorgestellt. Plötzlich wird aus der asphaltierten Straße ein Feldweg – aber nur kurz. Und dann moderne Gebäude mitten im Busch. Kein Mensch – immer noch nicht. Bisschen gruselig.


Eine weite, fruchtbare Ebene erstreckt sich westlich von uns. Manchmal kommt ein Obststand oder ein Abzweig zu einem Dorf. Aber im Großen und Ganzen: öde.
Im nächsten größeren Ort wird langsam sichtbar, wo wir sind: in Bosnien. Minarette wechseln sich mit Kirchen ab, zerschossene und verfallene Häuser stehen neben neueren Gebäuden, viele kleine Friedhöfe. Erinnerung an den Bosnienkrieg in den 90ern.


Mostar, unser Ziel, war davon besonders betroffen. Vor allem der Ostteil der Stadt, der heute wieder eine pulsierende Metropole ist, hat schwer darunter gelitten.

Wir erreichen unser Ziel nach zweieinhalb Stunden Fahrzeit und müssen uns erst mal zurechtfinden. Zu schlecht vorbereitet auf diesen Tag. Wir stellen das Auto in einer Parkzone ab, bekommen am Automaten aber kein Ticket, weil hier alles nur mit Bargeld funktioniert. Und wer hat schon die sogenannte Konvertible Mark (was für eine blöde Bezeichnung für eine Währungseinheit) zur Hand?
Wir versuchen unser Glück in einer Wechselstube. Dort geht gar nichts. Wir sollen warten. Etwa fünf bis zehn Minuten. Oder gleich zur Bank gehen. Wo ist die Bank? Wir haben auch kein Internet und können nicht richtig googeln. Wir finden eine Sparkasse um die Ecke. Aber die Mastercard funktioniert auch nicht. Hm. Also wechseln wir in der Bank unser Bargeld. Ziemlich kompliziert und aufwendig. Nach einer gefühlten Ewigkeit halten wir umgerechnet etwa 20 Euro beziehungsweise 37 Konvertible Mark in den Händen. Nur: Wir haben immer noch kein Ticket fürs Auto. Also schnell eins ziehen – für drei Stunden.
Drei Stunden in Mostar. Wir bewegen uns mit den Touristenmassen ins Herz der Altstadt, vorbei an unzähligen Souvenirshops über Kopfsteinpflaster, was meine Füße natürlich sehr mögen, und stehen ganz plötzlich auf der Stari Most, der Alten Brücke, dem Wahrzeichen dieser Stadt. Most – Mostar. Menschenmengen drängen sich hinüber auf die andere Seite, bleiben einfach stehen. Foto, Foto, Foto – alles für Instagram. Drei Typen in Badehose stehen in der Mitte der Brücke. Die wollen doch nicht etwa springen? Sieht nicht so aus. Vielleicht hatten sie es vor und haben es sich anders überlegt.





Wir drängen uns weiter durch die engen Gassen, vorbei an Cafés und Restaurants, alle mit Blick auf die Brücke. So eng, so voll. Wir kommen auf einen etwas breiteren Boulevard – langweilig. Und dennoch geschichtsträchtig. Man sieht noch die Einschusslöcher an den Gebäuden. Auch die Brücke wurde im Krieg völlig zerstört. Auf einigen Postkarten kann man sehen, wie das aussah. Unglaublich, wozu Menschen fähig sind. Wofür? Nur um ihr Ego zu befriedigen? Um ihre Macht zu zeigen? Wie dumm! Leider, leider lernt die Menschheit nicht dazu.






Am Ufer der Neretva, dem Fluss, der unter dieser weltberühmten Brücke hindurchfließt, machen wir kurz Kaffeepause. Es bewegt sich etwas auf der Brücke. Oder auch nicht. Sie wird immer voller. Ein Typ steht außerhalb des Geländers. Will er doch springen? Kaum zu glauben, denn ständig rauschen Boote mit Touristen (zehn Minuten für 10 €) durch den Fluss. Viel zu gefährlich. Nope. Die Boote bleiben plötzlich stehen. Alle klatschen. Und tatsächlich: Er springt und stürzt in den Fluss. Wow! Und taucht sogar wieder auf. Alles wird gefilmt und fotografiert.

Wir haben noch ein bisschen Zeit und werden in ein Restaurant an einer Brücke gelockt. Das war allerdings nicht dieselbe Brücke – eine ganz andere. Was steht auf dem Menü? Fisch. Und ich probiere bei der Gelegenheit einen bosnischen Kaffee. Ist im Grunde das Gleiche wie türkischer Kaffee. Wir stärken uns und ziehen weiter.



Es wird etwas dunkler am Himmel. Gewitterstimmung. Der Wind frischt auf. Schnell weg in Richtung Kravica-Wasserfälle. In der Hoffnung, dass es dort ebenfalls windig und gewittrig wird und die Reisebusse mit den Touris wieder verschwinden.
Von Mostar bis Kravica sind es etwa 60 Minuten Autofahrt. Ich wähle die Strecke durchs Neretva-Tal, weil sie eine besonders sehenswerte Route sein soll. Wir sehen allerdings nicht viel vom Fluss. An nahezu allen Parkplätzen entlang des Ufers befinden sich Müllabladestellen. Ich hatte keine Lust, über Müll zu steigen, nur um ein Foto vom Fluss zu machen. Gedacht hatte ich eher an eine Siesta am Fluss. Doch der Reiseführer hat gelogen.
An den Kravica-Wasserfällen angekommen. Riesiger Parkplatz, Tausende Reisebusse und abertausende Autos. Eintritt: 10 € pro Person. 3 € für eine Stunde Parkplatz. Wir parken außerhalb und bezahlen ebenfalls 3 € – allerdings für den ganzen Tag, den wir gar nicht nutzen. Man kann sich schon denken, was jetzt kommt:
Die größte Abzocke der Welt! Was wird hier versprochen? Eine Oase in der Natur? Es ist die Hölle. Die reinste Touristenhölle! Hat man hier sämtliche Kreuzfahrtschiffe ausgeladen? Man findet keine ruhige Ecke, kein Plätzchen, wo man sich niederlassen kann, ohne noch einmal zur Kasse gebeten zu werden. Entweder 6 € für einen Liegestuhl plus 3 € für einen Sonnenschirm oder gleich ins Restaurant.
Wir schwimmen einmal durch die Massen, verzichten auf die alberne Bootstour, trinken einen Schluck und verziehen uns wieder.




Der Himmel wird dunkel. Es blitzt. Wir sitzen bereits im Auto, als es losgeht. Zwischendurch sogar richtiger Sturm. Wir müssen kurz anhalten, denn Äste fliegen über die Straße. War aber nur von kurzer Dauer.
Wir wurschteln uns ohne Internet bis zur Grenze durch und schaffen es nach Gefühl. Plötzlich stehen wir mitten in einer Stadt am Schlagbaum. Es geht schnell, und fast hätten wir den kroatischen Grenzposten verpasst, der uns zurückpfiff.
Für die Rückreise wählen wir eine andere Strecke über die Halbinsel Pelješac und die Pelješac-Brücke in Richtung Dubrovnik. Die Reise selbst und der Aufenthalt in Mostar waren das eigentliche Erlebnis des Tages: weite, fruchtbare Talebenen, Weinbaugebiete. Auf den Parkplätzen entlang der Straße kann man Wein verkosten. Günstig für Autofahrer.


Über die Brücke geht es auf die Halbinsel. Wir durchqueren sie komplett, erreichen nach einer gefühlten Ewigkeit wieder die Küste und fahren mit Blick auf zahlreiche Inseln weiter. Die Sonne geht langsam unter. Der Himmel ist immer noch von Wolken bedeckt. Was für eine irre Stimmung.


Doch das Beste kommt zum Schluss: Die Straße steigt an. Und tief unter uns, auf der rechten Seite, liegt Dubrovnik. Wir fahren noch einmal zurück. Golden Hour. Die Altstadt von Dubrovnik mit Blick auf den Hafen und die Bucht, in der ein Fünfmaster ankert. Was für ein Bild! Was für eine Chance! Wir werden noch einige Male hier entlangfahren. Aber ob wir noch einmal dieses Licht haben, ist zu bezweifeln.


Fazit: Ein anstrengender, gelungener und abwechslungsreicher Urlaubstag mit Höhen und Tiefen. Wir haben mal wieder dazugelernt. So soll es sein! Und morgen geht’s weiter. Bis dahin.
Nachtrag zum Wetter: Es wurden schwere orkanartige Unwetter, Gewitter und Hagelschlag für die kroatische Adriaküste angesagt. Bis jetzt merke ich davon noch nichts. Es ist ein bisschen windig. Das wars aber schon.
From the Border Barrier to Golden Hour – A Day in Bosnia- Herzegovina
Barely arrived in Croatia, and we were already on our way to the next Balkan country.
But first, we had to take a day off because of the unbearable heat. The only places where it was truly comfortable were air-conditioned rooms or the water.
Our spacious holiday apartment No. 2 is located near Cavtat Bay, about 15 km south of Dubrovnik. Once again, we have a terrace overlooking the sea. And our host, Anuška, really thought of everything. The fridge was already half stocked with fruit, drinks, and other essentials. We wouldn’t even have needed to go grocery shopping.
In short: we feel completely at home again. We don’t need much more than that.
Well… actually, we do! Week two of our vacation is supposed to involve a little less lounging around. So I make a plan based on the weather forecast. Monday: far too hot. Tuesday: a chance of scattered thunderstorms, even in Bosnia. And Thursday is supposed to be “cold”—below 30°C. Perfect city weather! And there is certainly plenty to see.
Today’s destination: Bosnia and Herzegovina. Wake-up call at 6 a.m.! No excuses. I want to be done with sightseeing by midday. And who knows how long crossing the border from the EU into a non-EU country might take?
The border is just around the corner in the mountains. No queue. Everything goes quickly on the Croatian side, with only a slight delay on the Bosnian side. The passport scanner seems to be having a bad day. We even get a stamp in our passports.
Then comes a drive through what feels like the middle of nowhere. Narrow but paved roads wind through lush green forests and across the mountains. Not a soul in sight. We seem to be the only people out here. Occasionally a cow appears by the roadside. I’m genuinely surprised—I never imagined Bosnia to be this green. Suddenly the paved road turns into a dirt track—but only for a short stretch. Then modern buildings appear in the middle of the wilderness. Still no people. A little eerie.
A wide, fertile plain stretches out to the west. Every now and then there’s a fruit stand or a turnoff to a village. But overall, it’s rather uneventful.
The next larger town slowly reveals where we are: Bosnia. Minarets alternate with churches, war-damaged and abandoned buildings stand beside newer ones, and small cemeteries appear everywhere. Constant reminders of the Bosnian War in the 1990s.
Mostar, our destination, was hit particularly hard. Especially the eastern part of the city, which today has come back to life, still bears many scars from that time.
After two and a half hours, we arrive and immediately realize we’re not very well prepared. We park the car, but the parking meter only accepts cash. And who carries Bosnian Convertible Marks (what a strange name for a currency) around with them?
We try our luck at a currency exchange office. No chance. We are told to wait five to ten minutes—or simply go to a bank. But where is the bank? We don’t have mobile internet either, so Googling isn’t really an option. Eventually we find a bank around the corner. Our Mastercard doesn’t work there either. Great. In the end, we exchange some cash at the counter. It’s surprisingly complicated and time-consuming. After what feels like forever, we finally hold the equivalent of about €20 in Bosnian Marks. Only then can we buy a parking ticket—for three hours.
Three hours in Mostar.
Together with the crowds of tourists, we make our way into the heart of the old town, passing endless souvenir shops over cobblestone streets—much to the delight of my feet—and suddenly find ourselves standing on Stari Most, the Old Bridge, the city’s iconic landmark. Most. Mostar.
People squeeze across the bridge, stop in the middle, and take photo after photo after photo. Everything for Instagram.
Three young men wearing nothing but swim trunks stand in the middle of the bridge. Surely they’re not about to jump? Doesn’t look like it. Maybe they were planning to and changed their minds.
We continue through the narrow alleyways, lined with cafés and restaurants, almost all overlooking the bridge. It’s crowded. Really crowded. Eventually we reach a broader boulevard. Less charming—but full of history. Bullet holes still mark many of the buildings. The bridge itself was completely destroyed during the war. Old postcards show what it looked like back then. It’s hard to believe what people are capable of. For what? To satisfy their egos? To demonstrate power? How incredibly foolish. Sadly, humanity never seems to learn.
We stop for a coffee along the banks of the Neretva River flowing beneath the famous bridge. Something is happening up on the bridge. Or maybe not. It keeps getting more crowded. One man climbs over the railing. Is he actually going to jump? Hard to imagine, considering tourist boats constantly pass underneath—ten minutes for €10. Way too dangerous.Nope.
Suddenly the board stop. Everyone starts clapping. And then he jumps. Straight into the river.Wow. A few moments later, he resurfaces. Phones and cameras are everywhere.
We still have a little time left and are lured into a restaurant by another bridge—not the famous one, just a different one. Fish is on the menu. I also try Bosnian coffee, which is essentially the same as Turkish coffee. Refueled, we continue.
Dark clouds begin gathering. Thunderstorm atmosphere. The wind picks up.
Time to head for Kravica Waterfalls. Our hope? That the weather will drive away the tour buses.
The drive from Mostar takes about an hour. I choose the scenic route through the Neretva Valley because supposedly it’s beautiful. Unfortunately, we hardly see the river. Nearly every parking area along the banks has turned into an informal dumping site. I have no desire to climb over piles of rubbish just to take a picture of the river. I had imagined a peaceful riverside break instead. Apparently, the guidebook lied.
At Kravica Waterfalls we find an enormous parking lot packed with thousands of tour buses and countless cars.
Entrance fee: €10 per person.Parking: €3 per hour.We park outside the official lot and also pay €3—but for the entire day, which we won’t even use.
You can probably guess what’s coming. The biggest tourist trap in the world. What is this place supposed to be? A natural paradise? It feels like hell. The ultimate tourist hell.
Did they unload every cruise ship here? There isn’t a single quiet corner. No place to sit without paying again. Either €6 for a sunbed plus €3 for an umbrella—or you sit in a restaurant.
We swim once through the crowds, skip the rather silly boat tour, grab a quick drink, and leave.
By now the sky has turned dark. Lightning flashes.We’re already back in the car when the storm begins.
At one point it becomes a real gale. We even have to stop briefly because branches are flying across the road. Fortunately, it doesn’t last long.
Without internet, we somehow navigate our way back to the border by instinct. Suddenly we find ourselves at a checkpoint in the middle of a town. Crossing is quick—and we almost miss the Croatian border post, where an officer whistles us back.
For the return journey, we choose a different route across the Pelješac Peninsula and back towards Dubrovnik.
The drive itself turns out to be one of the highlights of the day: wide fertile valleys, vineyards everywhere, and roadside wine tastings. Convenient for drivers…
We cross the bridge onto the peninsula, drive all the way across it, and finally return to the coast after what feels like ages. Islands line the horizon. The sun slowly begins to set. The sky remains covered with dramatic clouds.
What an incredible atmosphere. But the very best comes at the end.
The road climbs higher and higher. And suddenly Dubrovnik appears far below us on the right. We actually turn around.
Golden Hour.The old town, the harbor, the bay, and a beautiful five-masted sailing ship at anchor. What a view. What a lucky moment.
We’ll probably drive this road several more times. But whether we’ll ever get this light again… I doubt it.
Conclusion: A demanding, successful, and wonderfully varied day full of highs and lows. Once again, we learned something new. That’s exactly how travel should be.
And tomorrow, the adventure continues.
Weather update
Heavy storm warnings, including hurricane-force winds, thunderstorms, and hail, have been issued for Croatia’s Adriatic coast. So far, though, I haven’t noticed much of it. It’s a little windy. That’s about it.
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